Eigenheit der Wahrnehmung

„Du bist, was Du ißt“ oder auch „Du bist, was Du siehst und in Dir aufnimmst“ ?!

Warum identifizieren sich manche Menschen mit ihrer Nahrungsaufnahme? Warum ist das vielen Vegetariern oder Veganern so wichtig? Sie glauben vielfach, daß es etwas mit ihnen selbst macht, was sie an Nahrung in sich aufnehmen. Sie sehen sich damit sogar in einer Wechselbeziehung.

Solche Menschen verspüren oft ein Mitgefühl oder eine gewisse Mitverantwortung für ihre Nahrung. Ihnen ist das Schicksal der Lebewesen nicht gleichgültig, auf denen sie ihre eigene Existenz gründen. Sie fühlen sich mit ihrer belebten Umwelt verbunden und deshalb wirkt deren Schicksal auch auf sie selbst zurück. Geht es Dir in gewisser Weise ähnlich?

Ist das vielleicht alles Unsinn? Was, wenn nicht? Wenn diese Prinzipien für die Aufnahme von Nahrung gelten, warum dann nicht auch für alles Andere? Welche Rolle spielt dann unsere Entscheidung, was wir durch unsere eigene Wahrnehmung in uns aufnehmen?

Nahrung ist schließlich auch nur eine materiell manifestierte Form von Energie und Information, gespeichert in Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen und so vielen anderen Substanzen, die für unser Überleben wichtig sind. Energie und Information nehmen wir aber auch auf ganz andere Arten in uns auf. Inzwischen haben wir Forschungsergebnisse vorliegen, daß auch die Aufnahme von unterschiedlichen Gaskonzentrationen, von Licht, akustischen und elektromagnetischen Reizen wie sogar auch psychische Impulse und soziale Zuwendung essentielle Wirkungen auf unser Sein haben.

Über manche dieser Einflüsse haben wir gar keine direkte Kontrollmöglichkeit. Beispielsweise müssen wir die Luft atmen, die am Ort unseres Aufenthalts vorherrscht. Elektromagnetische Felder durch kosmische und technische Strahler können wir Einzelmenschen auch kaum beeinflussen. Tageslicht ist auch eine Gegebenheit. Worauf wir aber sehr wohl einen Einfluß haben, ist die Art und Weise, Dinge zu sehen, sich akustischen Geräuschen und Informationen auszusetzen, in psychische Wechselwirkungen zu treten und der gleichen mehr. Unsere Aufmerksamkeit steuert dabei unsere Wahrnehmung und folglich, was wir wie in uns aufnehmen.

Wahrnehmung des Ichs

Wenn ich wahr-nehme, könnte ich meinen, die Wahrheit zu erfassen. Zunächst fühlt sich das auch zweifelsfrei so an. Wir alle haben vermutlich dieses Grundgefühl von klein auf. Unsere Wahrnehmungen bestehen vor allem aus allen unseren Sinneseindrücken wie Sehen, Riechen und Schmecken, aber auch aus Gefühlen und sogar unserem Denken und inneren Bildern oder Visionen. So wie unser Ich all dies registriert, erscheint es uns völlig authentisch und geradezu objektiv. Wir kennen ja auch zunächst keine andere Wahrnehmung als die eigene.

So einfach ist es aber nicht. Was wir durch unsere individuelle Wahrnehmung als Wahrheit bewerten, ist in Wirklichkeit nur ein subjektiver Eindruck und nichts Absolutes und Objektives. Es geht dabei für uns also nicht um Wahrheit als eine objektive Realität. Es geht um persönliche Erlebnisse, die ich mehr oder weniger zufällig einlasse und in mich aufnehme. Dadurch werden sie zu meinen individuellen „Wahrheiten“. Das schließt aber nicht aus, daß es auch noch ganz andere Wahrheiten gibt, etwa die von anderen Individuen.

Ein Großteil unserer Wahrnehmung gilt dabei uns selbst. Wenn wir etwa einen anderen Menschen betrachten oder mit ihm kommunizieren, dann nehmen wir nicht nur ihn sondern gleichzeitig auch unsere eigenen Reaktionen des Verstandes und der Emotionen wahr. Dabei erleben und erfahren wir uns also selbst. So entsteht das Selbstbild meiner Identität, wer und was ich bin, mit dem ich mich durch meine Selbst-Bejahung identifiziere. Meine Identifikation aber wirkt wiederum auf mein Sein zurück, indem sie meine Identität beeinflußt, stärkt, schwächt oder auch verbiegt. So wird für mich wahr, was ich an Eindrücken nehme und mir zu eigen mache, nämlich meine Eigenheit.

Ich als Objekt: Selbst, Eigen und Ego

„Selbst“-Wahrnehmung-Bild-Bejahung sind umgangssprachlich gemeint als „reflexive“ Vorgänge und Zustände. Dabei verstehen wir unter „selbst“ ein „auf sich bzw. das-ich zurück“. Wäre ich eins oder auch ich-identisch, dann wäre dieser Selbst-Bezug klar und eindeutig. Leider aber ist das eine grobe Vereinfachung, ein Irrtum oder auch eine Beschränktheit der Wahrnehmung. Wir sind weit mehr als physische Wesen aus Fleisch und Knochen, Muskeln, Nerven und Organen. Deshalb unterscheiden wir gemäß unseren Lebenserfahrungen auch zwischen Körper-Bauch, Herz und Verstand oder auch Körper, Geist und Seele. Wir sind sowohl physische als auch psychische Wesen mit einem Wesenskern, den wir als Seele bezeichnen.

C.G. Jung führte für diesen seelischen Wesenskern den Begriff des „Selbst“ ein, der folglich leicht mit dem „reflexiven selbst“ verwechselt wird. C.G. Jung erkannte zudem eine zum seelischen „Selbst“ komplementäre psychische Instanz im Menschen, die er „Ego“ nannte. Dieser Begriff scheint mit seiner lateinischen Sprachwurzel (Ego = Ich) und den daraus abgeleiteten Begriffen der Egozentrik, des Egoismus u.s.w. gut kompatibel zu sein. Wenn wir von uns selbst „Ich“ sagen, dann spricht da das Ich über einen Organismus bestehend aus verschiedenen Anteilen von Ebenen und Seiten wie auch denen des „Selbst“ und des „Ego“. Für die wahrnehmende Bestimmung eines Systems aber etablierten deutsche Physiker den Begriff „Eigen“ mit dem sogenannten Eigenwert. Wir sprechen ja auch von den Eigenschaften und den Eigenheiten. Die Reflexion des Ich sollte man daher doch eigentlich lieber neutral Eigen-wahrnehmung nennen, denn sie kann ganz anders als Selbst-betont auch eher Ego-lastig sein.

Schlußfolgerung zur eigenen Wahrheit

So wie ich mich selbst betrachte und wahrnehme, gestalte ich nun aber auch meine eigene Identität. Ich kann meinen Fokus auf ganz verschiedene Bereiche legen wie auch auf entweder mehr das Ego oder mehr das Selbst. Die durch meinen Fokus erstarkte Identität ist daher lediglich ein Konstrukt, das nicht absolut ist sondern selbst gemacht. Es bildet sich also aus dem, was ich für mich für wahr nehme, meine individuelle Eigenheit und Identität. Damit ist sie aber auch nicht fest determiniert, sondern durch mich selbst veränderlich. Es liegt also letztlich ganz bei uns selbst, was wir sehen wollen und uns einbilden, aus dem dann unsere wahr genommene, eigentümliche Wahrheit resultiert.

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