Kennenlernen – Ich im Spiegel des Du

„Mein Partner drückt genau die „richtigen Knöpfe“ bei mir.“

Könnte dieser Spruch auch aus Deinem Mund kommen? Wenn ja, wie geschieht dieses Knöpfedrücken und was macht es mit Dir? Ist es angenehm für Dich oder eher unangenehm? Was spiegelt es Dir wieder und zeigt Dir somit?

Wird durch das Drücken der „richtigen Knöpfe“ vielleicht eine Leidenschaft entfacht? Findest Du diese so geil und erregend, daß Du Dich danach in wilden Begierden quasi selbst verzehrst? Oder regst Du Dich eher darüber auf und empfindest es als eine Folter, der Du schutzlos ausgeliefert bist? Greift diese Folter tiefe, unbewußte Triebe bei Dir an und treibt Dich damit um, an und auf? Gilt für Dich das Sprichwort, „es treibt mich auf die Palme“?

Kennst Du diese Gefühle? Willst Du mehr darüber wissen? Dann bitte:

Beide Spielarten des Knöpfedrückens sind Wechselwirkungen einer Spiegelung, die Dir ein Bild Deinerselbst zurückwirft. Beide haben mit den Begriffen „treiben“ und „es treiben“, also eben mit einer „Getriebenheit“ direkt zu tun. Dazu erzähle ich am besten mal eine wahre Begebenheit von mir selbst, wie mich so eine Spiegelung heftig umgetrieben hat, ihre Umstände und Resultate.

 

Spagat zwischen Hoffnung und Realität

Eine Frau in meinem Bekanntenkreis begann, meine Aufmerksamkeit zu erregen. Ich fühlte mich zu ihr hingezogen und suchte näheren Kontakt. Wir trafen uns, machten ein paar gemeinsame Unternehmungen und lernten uns gegenseitig etwas kennen. Die Begegnungen machten mir jedesmal Freude, so daß sich in mir Hoffnungen auf größere Nähe regten. Aber etwas war da nicht in Ordnung und paßte nicht, so daß sich in mir eine Spannung aufbaute. Ich registrierte nämlich, daß meine Hoffnungen und die Realität auseinander drifteten.

Nun versuchte ich, mir meine Spannung nicht anmerken zu lassen. Ich wollte die sich anbahnende Freundschaft nicht verkomplizieren oder vielleicht damit gefährden, indem ich die Stimmung durch meinen offen gezeigten Zustand vielleicht getrübt hätte. Ich hoffte auf eine positive Entwicklung, daß sich die Realität meinen Hoffnungen allmählich nähern würde. Ich baute dabei auf weitere Treffen, die uns Gelegenheiten geben sollten, uns weiter kennenzulernen und uns dadurch näher zueinander zu bringen. Ich hoffte, als wertvoller und liebenswerter Mann erkannt zu werden, wenn sie mich etwas intensiver erleben, mich genauer betrachten und besser erkennen würde, als ich vielleicht rein oberflächlich erscheinen mag.

Meine Hoffnung verwirklichte sich jedoch nicht. Die Realität änderte sich nicht, sondern blieb bestehen. Es trat sogar eher das Gegenteil meiner Hoffnungen ein, denn immer wieder nahm ich eine unnachgiebige Zurückweisung von ihr wahr. Dieses Dilemma begann mich mehr und mehr zu beschäftigen und in mir zu brennen. Ich machte mir viele Gedanken, hinterfragte mich selbst und fand auch logische Erklärungen für ihre Verhaltensweise der sicheren Distanziertheit.

 

Das ungeliebte Selbstbild im Spiegel der Freundin

Die Dynamik der Begegnungen und Gespräche führte dann zu einigen Aussagen von jener Freundin und ein paar Szenen, die mir als unübersehbare Signale dienen sollten. Dadurch begann es mir zu dämmern, wie ich von ihr wahrgenommen wurde. Als offener und direkter Mensch gab sie sich zum Glück keine Mühe, mit ihren Eindrücken von mir hinterm Berg zu halten. Vielleicht war ich es ihr auch gar nicht wert, mit Behutsamkeit und Achtsamkeit betrachtet und behandelt zu werden. Jedenfalls entlud sich in mir die Erkenntnis über das Bild meiner selbst, so wie ich es von ihr gespiegelt bekam, als heftige Lawine mit vehementen Gefühlen.

Mir wurde in der Spiegelung klargemacht, daß ich unlocker, sprachlos und bierernst bin, also eine Spaßbremse, die zu nichts zu gebrauchen sei. Anstatt leicht und fröhlich zu sein, bin ich eher ernst und kontrolliert. Mir wurde an den Kopf geworfen, ich sei so „verkopft“. Mit all dem hatte sie irgendwie Recht. Mir wurde dabei auch immer klarer und es trat mir deutlich ins Bewußtsein, daß ich von ihr nicht für voll genommen werde. Ich war für sie kein richtiger Mann, folglich auch nicht ernst zu nehmen, geschweige denn attraktiv. Ich fühlte mich in ihren Augen vielmehr als Hampelmann. Vielleicht hatte ich mich durch mein Verhalten auch tatsächlich zu diesem gemacht. Ich fühlte mich als wertlos betrachtet und verachtet. Diese Einsicht tat freilich sehr weh.

Wovor ich Angst hatte und was ich durch Kontrolle und Unterdrückung meiner Gefühle verhindern wollte, genau das war in Wirklichkeit eingetreten. Ich fühlte mich minderwertig und gedemütigt, wie ein ausgehungerter, streunender Straßenköter, der um ein wenig Zuwendung winselt. Jeder reale Straßenköter und jede reudige Katze empfingen von ihr tatsächlich mehr Zuwendung und Liebe als ich.

Meine Verhaltensweise, ihre Nähe zu suchen und mich ihr anzubieten bzw. anzubiedern, erregte also keineswegs ihr Interesse, ihre Aufmerksamkeit, Zuneigung, Neugier und Begeisterung geschweige denn ihre Achtung. Ich schien sie schmachtend anzuhimmeln und ihr unterwürfig hinterher zu winseln. Das entfachte aber alles andere als ihr Begehren und ihre Liebe.

Ich sah mich in der Hierarchie ihrer sozialen Beziehungen weit abgeschlagen hinter ihren Freundinnen, Haustieren und einigen männlichen Konkurrenten, die sie als gute Bekannte bezeichnete. Ich fühlte mich danach wie der letzte Dreck. Warum ich gerade diese Merkmale durch sie gespiegelt bekam, die mich in meiner Wertigkeit so herabsetzten, erkläre ich in einem weiteren Blog mit dem Titel „Reflexion durch andere Menschen“.

 

Ursache heftiger Gefühle: Wurzeln des Selbstbildes

Was ich bei der Spiegelung durch diese Freundin fühlte, war zwar im Moment sehr schmerzhaft aber auch nicht wirklich neu. Es war für mich altbekannt und sie hatte mir lediglich wieder die wesentlichen Impulse gegeben, meine alten Gefühle wieder zu erwecken, zu Tage zu fördern und zu reaktivieren. Sie hatte alte Kindheitstraumata von mir getroffen, die mein ganzes Leben bereits nachhaltig prägten und bestimmten, nämlich die Zurückweisung durch eine geliebte Frau. Dadurch wurde ich getreten, gestoßen, gefordert und vorwärts getrieben. Es ging für mich nun darum, diese Traumata weiter zu bearbeiten und zu lösen. Meine Lage war so qualvoll, daß ich mich meiner unangenehmen Aufgabe einfach stellen mußte.

Für die Impulse zu meiner Selbstwahrnehmung durfte ich ihr daher letztlich dankbar sein. Ihre Anregung löste bei mir eine regelrechte Flut an Einfällen und Eingebungen aus. Ich erhielt viele Antworten auf essentielle Lebensfragen, nach denen ich Monate lang gesucht und geforscht hatte. Und das Ergebnis ist nun ein reicher Schatz an Erfahrung und tiefem Verstehen. Die so gewonnenen, reichhaltigen Erkenntnisse sind für mich überaus wertvoll. Ich sehe mich nun selbst wieder kompletter und in einem neuen Licht.

Jeder von uns hat die Möglichkeit, sich selbst im Spiegel der Person zu sehen, die einen auftreibt, indem sie bestimmte Schmerz- oder Lustpunkte bei uns drückt. Wer das nicht will, kann sich dem durch Wegschauen entziehen oder aber die Spiegel zerschlagen oder vertreiben. Eins ist aber sicher: Solange es Knöpfe an uns gibt, auf die wir empfindlich anspringen, werden wir Personen begegnen, die mit diesen Knöpfen spielen und darauf herumdrücken.

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