Kennenlernen und kennenlernen lassen

Wahrheit oder Show? – „Sein oder Schein, das ist hier die Frage!“

Was sollen die Leute nur von mir denken? Diese angsterfüllte Frage bewegt viele Menschen zutiefst. Und wer von uns möchte nicht gerne in einem positiven Licht bei seinen Mitmenschen stehen, gemocht und wertgeschätzt werden. Nur wie erreichen wir das? Hier ein paar gängige Sätze dazu, die Dir vielleicht sehr bekannt sein mögen:

  • Kleider machen Leute.
  • An der Kleidung erkennst Du den Charakter eines Menschen.
  • Ungeschminkt gehe ich nicht auf die Straße.
  • Teurer Schmuck und dicke Autos zeigen den Selbstwert des Besitzers.
  • Erfolg macht sexy.

Was aber bedeuten diese Aussagen und was machen sie mit uns?

Die Frage ist also, was wir nach außen darstellen wollen, um einen bestimmten Eindruck beim Kennenlernen eines Mitmenschen zu hinterlassen. Wir wägen dabei ab, wem und in welcher Situation wir was und wie viel von uns und unserem Inneren herauslassen und preisgeben. Einige haben ihre Äußerungen stärker unter Kontrolle bis hin zu einer ständigen Verkrampftheit und Zwanghaftigkeit. Andere sind in ihren Äußerungen eher direkt, spontan und unkontrolliert. Wozu neigst Du? Was davon ist „normal“? Dazu im nächsten Abschnitt mehr

 

„Offen“-sive (Offenheit) oder Defensive (Verschlossenheit)

Naturgemäß verschließen wir uns bei fremdartigen bzw. unsympathischen Personen und in eher bedrohlichen Situationen. Dann schützen wir uns durch Selbstkontrolle. Dagegen öffnen wir uns eher in einem vertrauten und angenehmen Umfeld. Wir öffnen uns aber immer nur so weit, wie es unsere Angst zuläßt, in Gefahr geraten, Schaden nehmen und mißbraucht werden zu können. Das sind normale Varianzen unserer Verhaltensmuster der situativen Anpassung, welche die allermeisten von uns zeigen und beherrschen.

Kontrolliertheit oder Direktheit sind aber nicht die einzigen Unterscheidungsmerkmale, wenn es darum geht, ob wir eher offen oder eher verschlossen sind. In Wirklichkeit haben sie sogar eigentlich relativ wenig damit zu tun. Denn eine direkte Reaktion verrät nichts darüber, ob sie einer Wahrhaftigkeit (= Offenheit) entspringt, oder ob sie dem Selbstschutz durch Abwehr und Täuschung dient (= Verschlossenheit). Wie geht es Dir damit? Hier ein paar Fragen dazu:

  • Wie offen oder verschlossen bist Du im allgemeinen?
  • Was wissen andere von Dir, was nicht?
  • Was von Dir gibst Du gerne nach außen preis?
  • Bist Du damit durch und durch authentisch oder wie würdest Du das beschreiben?
  • Bei was sagst Du „das geht andere nichts an“, „dafür schäme ich mich und versuche es lieber zu verbergen“ oder Ähnliches?
  • Wieviel Mühe und Aufwand kostet es Dich, Deine Fassade aufrecht zu erhalten oder wie mühelos und gewohnt ist das schon geworden?
  • Vielleicht gibt es ein paar „blinde Flecken“ von Themen, über die Du gerne mal mit jemand sprechen würdest, aber niemand geeigneten dafür findest. Welche sind das?
  • Mit wem redest Du über welche Themen?
  • Und ist das für Dich alles in Ordnung so? Oder woran würdest Du gerne etwas ändern?
  • Welche Themen fallen Dir zu all diesen Fragen ein?
  • Und schließlich, wie gut kennst Du Dich überhaupt selbst?

 

Adaptive (Selbst-) Täuschung und (Selbst-) Illusionierung

Wenn Du Dich mit weitläufigeren Freunden oder Bekannten triffst oder etwa jemand kennenlernst, wirst Du wahrscheinlich nicht gleich Deine ganze Lebensgeschichte erzählen oder Dein Innerstes nach außen kehren. Du würdest Dich vermutlich nicht komplett offen zeigen, wer Du bist, sofern Du überhaupt in der Lage wärst, ein möglichst unverfälschtes Bild Deiner Geschichte und Deines Inneren zu vermitteln. Hast Du nun aber einen sehr vertrauten Menschen vor Dir, dem Du alles erzählen kannst, was würdest Du dann erzählen?

Selten genug gibt es so einen Menschen als Gegenüber, dem wir wirklich alles ganz offen und schonungslos erzählen würden. Viele von uns erlauben sich sogar nicht einmal, sich selbst als diese Vertrauensperson zu sehen und zu nutzen. Oft ist das einem selbst gar nicht bewußt und dann täuscht man sich buchstäblich selbst.

Damit möchte ich darauf ansprechen, daß es bei vielen einen Bedarf gibt, sich selbst besser kennenzulernen und sich seiner selbst besser bewußt zu werden. Die gewohnten Praktiken der Selbsttäuschung und Illusionen sind unzählbar vielfältig und mächtig. Wir sind oft geneigt, das zu unterschätzen und unsere Selbstwahrnehmung für objektiver und unverzerrter zu beurteilen, als sie in Wirklichkeit ist.

Eine verzerrte Selbstwahrnehmung ist aber weder böser Wille noch eine selbstverschuldete Unfähigkeit. Es ist vielmehr ein Natur-Mechanismus, der den Selbstzweck der Selbst-„Erhaltung“ hat. Das klingt auf den ersten Blick vielleicht komisch und kaum glaubhaft, ist aber tatsächlich so. Das kann logisch begründet werden, was ich hier aber nicht weiter ausführen möchte.

 

Beziehung durch richtiges Kennenlernen

Erst richtiges Kennenlernen führt zu einer tieferen Beziehung sowohl zu Dir selbst als auch zu Deinen Mitmenschen und insbesondere zu Deinem Partner / Deiner Partnerin. Vorraussetzungen dafür sind Offenheit und Wahrhaftigkeit, hinter die Kulissen schauen zu dürfen und schauen zu lassen.

Wie willst Du andere richtig kennenlernen, wenn Du Dich selbst nicht kennst oder Dich selbst nicht zu erkennen gibst. Wie will man sich also kennenlernen, wenn man miteinander Versteck oder auch Katz und Maus spielt? Die Katze oder der Tiger, die das Mausen nicht lassen können, sind aus logischer Konsequenz für das richtige Kennenlernen und folglich auch für eine tiefere Beziehung wenig geeignet. Dieses Fazit wird nun doch sehr klar. Du kannst Dir jetzt also die Frage stellen, was davon Du selbst willst.

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