Liebe – Begegnung, Ablehnung und Verlust

„Himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt?“

Wer kennt diese Gefühle nicht? Vermutlich hattest Du diese auch schon mal, oder? Was hat das mit Dir gemacht? Was waren die Folgen?
Die allermeisten Menschen kennen die Emotionen von überschäumendem Glück bis zu Trauer und Verzweiflung bei partnerschaftlichen Liebesgefühlen recht gut. Darin sind wir uns sehr ähnlich oder einig. Individuell ganz unterschiedlich erleben wir aber die Intensität und Art der Gefühle und gehen damit um. Dabei gibt es grundsätzlich verschiedene Dispositionen, wie etwa:

  • robust <-> sensibel
  • optimistisch <-> pessimistisch
  • bestimmend <-> nachgiebig

Zu welchem dieser Typen gehörst Du? Und welchen Einfluß mag das auf Deine Liebesgefühle und Deinen Umgang damit haben?

Die Glückseligkeit erwiderter Liebesgefühle

Ist es nicht das höchste der Hochgefühle, wenn man glücklich verliebt ist? Ist es dann nicht wie im Traum von Märchen-Prinzen und –Prinzessinnen (siehe dazu auch den Blog „Traumpartner – Außen-Fassade / Innen-Wert“)? Was aber löst diese Gefühle aus? Und kann man das vielleicht steuern? Kann man Liebe „machen“?

Wer Macht über die Liebe zu haben scheint und diese eigennützig einzusetzen sucht, dem werden Liebesgefühle vermutlich wenig bedeuten bzw. wird er sie gar nicht richtig spüren. Über Gefühle zu bestimmen, erzeugt gleichermaßen eine gefühlsmäßige Robustheit. Fällt einem Liebe dagegen zu wie ein Geschenk, dann schwingen auch entsprechend starke Gefühle mit. Im günstigen Fall trifft das Geschenk gegenseitig ein, im ungünstigen nur einseitig.

Liebe läßt sich nicht erzwingen, denn Liebe basiert auf Freiheit. Liebesgefühle hingegen können mehr oder weniger angeregt und erzwungen werden. Für viele macht das keinen Unterschied, weil sie Liebe und Liebesgefühle für ein und dasselbe halten. Manche kennen jedoch sehr wohl den Unterschied zwischen Verliebtheit und Liebe. Meiner Erfahrung nach entspringen Liebesgefühle der Verliebtheit nicht etwa einer tiefen inneren Verbundenheit. Sie sind eher die Ursache der hoffnungsvollen Aussicht auf Erfüllung von äußerlichen Bedürfnissen körperlich-existentieller Verbindungen.

Die existentiellen Bedürfnisse der Menschen nach körperlicher Verbindung und Vereinigung sind ganz natürlich. Entsprechend stark sind auch die Gefühle, die die Erfüllung dieser Bedürfnisse begleiten. Je ausgehungerter jemand ist, desto stärker ist normalerweise das Gefühl der Befriedigung, wenn der Hunger gestillt wird. So wird auch das Hochgefühl der Verliebtheit durch ein vorangegangenes Defizit an Liebesverbundenheit noch gesteigert. Tritt eine Sättigung des Verbundenheits-Defizits und der körperlich-existentiellen Bedürftigkeit ein, so schwindet auch die Verliebtheit. Das erklärt, warum Verliebtheit in einer Partnerschaft mit der Zeit nachläßt.

Wer aber die beglückenden Gefühle der erwiderten Liebe einmal erfahren hat, sich derer bewußt ist und sie nicht verdrängt und aus seinem Leben verbannt hat, den wird der Verlust oder das Ausbleiben von Liebe immer wieder schmerzlich berühren. Optimismus verdrängt die schmerzliche Seite eines Liebesverlusts. Pessimismus dagegen verdrängt die Hoffnung auf das mögliche Glück einer erwiderten Liebe.

 

Tiefschläge durch abgewiesene Liebe

Wenn du einen geliebten Menschen verlierst oder von ihm abgelehnt wirst, tut das einfach weh. Verlust, Ablehnung und die Abwesenheit von Liebe verursachen naturgemäß Schmerzen, Leid und Defizite. Aber wie tief trifft es einen wirklich? An manchen Menschen scheint das mehr oder weniger oberflächlich abzuperlen. Andere dagegen werden dadurch bin ins Mark verletzt. Woran liegt das?

Mich selbst traf so eine Ablehnung einst wie ein kräftiger Tritt in meine Eier. Ich fühlte mich quasi entmannt und so erniedrigt, daß ich mir selbst nicht mehr in die Augen sehen wollte. Warum mich das so hart traf, kann durch mehrere Gründe erklärt werden:

  • Alte Wunden von früheren Verletzungen wurden wieder aufgerissen
  • Abgelehnt werden und eigene Selbstzweifel sind die bei mir dominanten Erfahrungen
  • Ich bin sensibel und wenig robust
  • Ich bin nicht optimistisch sondern realistisch
  • Ich bin eher nachgiebig anstatt bestimmend

Ich mußte erkennen, daß sich meine alten Erfahrungen, die sich ein Leben lang in mir tief eingebrannt hatten, erneut bestätigten. Genau meine empfindlichsten Stellen waren getroffen worden. Die Schmerzreaktion meiner Gefühle war entsprechend heftig und ich war dem gegenüber relativ schutzlos ausgeliefert. Offensichtlich hatte das etwas mit meiner ganz persönlichen Vorgeschichte zu tun, die natürlich auch meine individuelle Eigenart maßgeblich geprägt hatte. So war meine Reaktion bzw. Wahrnehmung für mich also persönlich typisch.

 

Die traumatische Wirkung des Liebesentzugs

Eine Liebe zu verlieren oder aber in der Liebe abgelehnt zu werden, rüttelt gleichermaßen an der eigenen Substanz, wenn man die Gründe dafür nicht verstehen und den Sachverhalt daher nicht akzeptieren kann. Ein kleines Kind im Säuglingsalter etwa, das seine Mutter auch nur vorübergehend (über Wochen und Monate) verliert, kann sich das nicht erklären und wird vermutlich entsprechend traumatisiert. Es ist mit seinem großen Verlustschmerz letztlich allein und erfährt diesen als etwas Eigenes, das auch dessen Ursachen in sich selbst trägt.

Aus solchen Eigenerfahrungen entsteht ein Selbstbild, nicht geliebt zu werden, weil man eben so ist. Das wirkt folglich in genau dieser Weise nach außen, so daß sich das Selbstbild dann auch bestätigt. Wer also mit diesem Selbstbild auf die Suche nach einer liebevollen Partnerschaft geht, wird voraussichtlich vorwiegend Niederschläge erleben. Die Wunden der Verletzungen werden dann nur immer größer und tiefer, die Selbstachtung sinkt mit jeder Niederlage und die eigene Würde wird zunehmend in den Staub getreten.

Offene oder nicht verheilte Wunden machen zudem empfindlich und verletztlich. Es gibt eine Kraft der Schmerzerinnerung, die einen immer wieder in einen alt bekannten Schmerz zurückführt und ihn erneut erleben läßt. Das gilt nicht nur physiologisch sondern auch psychisch-mental. Ein beschädigtes oder auch krankhaftes Selbstbild hält einen zusätzlich in dem Trauma-Syndrom fest, indem es die eigene Machtlosigkeit angesichts des Schmerzes rechtfertigt.

Das Liebestrauma erzeugt also ein schmerzhaftes Defizit der Verbundenheit, das zu einer übersteigerten Sehnsucht nach Liebe führt. Dieses erregt eine gesteigerte Empfänglichkeit für Verliebtheit, mit der man sich nach Liebespartnern sehnt. Gleichermaßen aber zerstört es auch das Selbstbild des Selbstwerts, siehe dazu den Blog „Liebesbindung – Abhängigkeit“. Wie man sich daraus befreit, findest Du im Blog „Liebesbindung oder Lösungsweg“.

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