Liebesbindung – alte Muster

„Warum fliege ich immer wieder auf denselben Typ – und falle dann erneut herein?“

Vielleicht kennst Du das von Dir selbst oder von Freunden und Freundinnen? Viele Menschen scheinen ein bestimmtes „Beute-Schema“ zu haben, ein Muster, in dem sich ihre ausgesuchten Partner bewegen müssen. Das können entweder eher äußerliche Merkmale wie z.B. der gesellschaftliche oder finanzielle Status sein, oder auch Merkmale des äußerlichen, körperlichen Typus, wie aber auch mentale und charakterliche Eigenschaften.

Manche kennen sogar „ihren Typ“ sehr genau, auf den sie abfahren. Und auch wenn sie schon mehrfach mit diesem Typen Schiffbruch erlitten haben, reizt er sie doch weiterhin. Die Figuren werden dann ausgetauscht, aber der Typ bleibt vom Prinzip gleich. Ist das nicht merkwürdig und irgendwie pervers? Hast Du selbst auch solche Erfahrungen gemacht? Oder kennst Du andere mit solchen Lebensläufen? Fragst Du Dich, woran das vielleicht liegen mag?

Das Resonanz-Phänomen der Anziehung

Das Buch mit dem Titel „Jeder bekommt den Partner, den er verdient“ von Hermann Meyer beschreibt dieses Phänomen hervorragend. Man könnte auch so sagen, daß du das anziehst, was zu dir „paßt“. Wenn du also selbst immer gleich bleibst, dann wird auch das passende Gegenüber immer gleich sein. Damit ist das ganze Thema eigentlich bereits vollständig beantwortet. Alles andere kann man sich aus dieser grundlegenden Gesetzmäßigkeit dann leicht ableiten. Dennoch möchte ich das noch etwas weiter erläutern. Was heißt da zum Beispiel „zu einem passend“ oder „verdient“?

Wenn ich in meinem bevorzugten Partnertyp ein bestimmtes Muster verfolge, dann zeigt sich darin auch ein bestimmtes Muster in mir selbst. Ebenso deutet ein bestimmtes gleichbleibendes Muster in den äußeren Abläufen und Geschicken auf ein ebensolches Muster meiner eigenen Einstellungen und Verhaltensweisen. Wir finden also eine typische Entsprechung von unserem Außen inklusive unserer Begegnungen zu unserem eigenen Inneren.

Wenn wir diese Gesetzmäßigkeit einmal verstanden und akzeptiert haben, dann sind wir schon einen großen Schritt weiter. Denn dann können wir beginnen, etwas aus unserem Schicksal zu machen. Eine weitere Gesetzmäßigkeit lautet nämlich, daß wir andere nicht ändern können, sondern nur uns selbst. Wenn wir auch das akzeptiert haben, verstehen wir also, daß wir uns selbst ändern müssen, wenn wir unser Schicksal ändern wollen. Die Resonanz zwischen außen und innen bleibt ja bestehen, insbesondere auch die der Partneranziehung. Folglich ändert sich das Außen mit unseren Begegnungen erst dann, wenn sich unser Inneres geändert hat.

Dank dieser Gesetzmäßigkeiten haben wir aber gleichzeitig auch einen hervorragenden Spiegel für uns selbst, durch den wir viel über uns selbst erfahren können. Wir müssen nur lernen, den Spiegel richtig zu nutzen. Siehe dazu z.B. auch die Blogs „Kennenlernen – Ich im Spiegel des Du“ und „Reflexion durch andere Menschen“.

 

Eigene typische Eigenschafts-Muster

Wie das äußere Muster des Beute-Schemas mit dem inneren Muster der eigenen Merkmale zusammenhängt, zeige ich am besten am eigenen Beispiel. Beim Kennenlernen eines von mir bevorzugten Frauen-Typs legte ich ein für mich typisches Verhaltensmuster an den Tag, wobei ich typische, bekannte Gefühle hatte:

  • Angst, nicht wahrgenommen, geschätzt und geliebt zu werden, so wie ich bin
  • Angst, durch offen gezeigte Gefühle den anderen zu vertreiben
  • Selbstkontrolle und Zwanghaftigkeit als Folge der Angst
  • Existentielle Ernsthaftigkeit beim Thema Liebesbegegnung, wesentlich für mein Leben
  • Schmerzhaftes Grundgefühl der Getrenntheit von der Liebe durch deren Verlust

Die von mir begehrte Frau gab mir daraufhin Rückmeldungen, daß ich unbrauchbar, unmännlich, unattraktiv, uninteressant und wertlos für sie bin, also ein fünftes Rad am Wagen, das sie nicht braucht. Sie bemerkte, daß ich „bierernst“, kontrolliert und verkopft bin und daß ich nicht locker sein und einfach nur mal oberflächlich Spaß haben kann. Mit ihrer Wahrnehmung von mir spiegelte sie mir einen wesentlichen Teil meiner eigenen Muster und das wohl auch zurecht. Dazu war aber auch ihr Typ, also das von mir gewählte Typen-Muster der Frau als Spiegel für mich genau richtig geeignet.

In der Begegnung mit jener Frau stand mir die pralle Lebensfreude als krasser Kontrast zu meinen eigenen Merkmalen gegenüber. Meine eigene „bittere“ Ernsthaftigkeit in Liebesangelegenheiten verhinderte eine oberflächliche Fröhlichkeit, die sie von einem Mann erwartete und wünschte. Mein schmerzlicher Verlust von Liebe war aber durch leichten Spaß nicht auszugleichen. Liebe hat für mich einen stets präsenten, wesentlich höheren Stellenwert als leichtes Vergnügen. Letzteres kann mich folglich innerlich nicht befriedigen. So aber war ich für jene Frau nicht männlich und schließlich auch nicht attraktiv.

Wonach ich mich innerlich sehnte, verkörperte das typische Muster dieser Frau, nämlich Leichtigkeit und Lebensfreude. Nun stand dieser Typ Frau, wie schon des öfteren in meinem Leben, erneut vor mir. Ich ging mit ihr in Resonanz, so daß meine Gefühle in mir aufwirbelten, und sie lehnte mich ab, wie ich es schon immer wieder erlebt hatte. Das mir nur all zu gut bekannte, alte Muster der abgelehnten Liebe zeigte sich mir also auch hier wieder. Ich schien in meinem eigenen Muster festzustecken.

 

Die Wandelbarkeit der Muster

Hätte ich in meinem Leben ausschließlich solche Erfahrungen gemacht, wie oben beschrieben, dann wäre ich vielleicht von der absoluten Ausweglosigkeit dieser Lebenskonstellation felsenfest überzeugt. Aber insbesondere eine andere Begegnung zeigte mir auch, daß Muster nicht endgültig bindend sein müssen. In einer Beziehung nämlich, in der ich wirklich geliebt wurde, sprudelte meine Lebensfreude förmlich aus mir heraus. Ich war ausgelassen, locker und fröhlich und für allen Unsinn zu haben, meinem eingefahrenen Muster ganz entgegengesetzt. Gleichermaßen war ich aber auch für die schwersten Aufgaben bereit.

Diese Aufgaben hatte ich dann auch zu erledigen, denn nach nur wenigen Monaten unseres Zusammenseins starb diese, meine Partnerin nach langem und hartem Überlebenskampf. Auch sie war ein lebensfroher Typ, der meinem bevorzugten Muster einer Frau entsprach. Wie viele ihres Typs war auch sie ihr Leben lang auf extrovertierte Wichtigtuer hereingefallen, die nur ihren eigenen Spaß suchten, die Frauen damit aber erfolgreich verführten. Und auch sie hatte sich dadurch stets binden lassen und war dann jedesmal bitter enttäuscht worden. Ihr Seelenschmerz angesichts dieser Enttäuschungen hatte am Ende zu ihrer tödlichen Erkrankung geführt.

Bei unserer Begegnung wenige Monate vor ihrem Tod hatte sie das alte Muster ihres Beute-Schemas abgelegt, sich geöffnet und aus ihrem stereotypen Gefängnis befreit. Dadurch ermöglichte sie auch mir eine Befreiung aus meinem eigenen Verhaltensmuster und die Entfaltung all jener sonst brach liegenden, vitalen und extrovertierten Lebensenergien.

Ihr leidvolles Schicksal hingegen bestätigte meine Abneigung gegenüber dem verführerischen, extrovertierten Imponiergehabe, das sie im Leben so getäuscht hatte. Leichtfertigkeit, Selbstdarstellung und Selbstherrlichkeit waren die Attraktoren, die sie verzaubert und geblendet hatten. Meine innere Abwehr dagegen führt natürlicherweise zur Frustration und Blockade jener Eigenschaften.

Das festgefahrene Muster strickt sich also quasi selbst. Verletzte Selbstherrlichkeit hat ihren Ursprung im traumatischen Liebesverlust und vertreibt die Erfüllung neuer Liebe. Die Katze beißt sich also in den Schwanz. Verändert sich aber eines von beiden, dann ändert sich auch das Muster. Das soll jetzt nicht dazu animieren, jene übertriebene Selbstherrlichkeit zu entwickeln, die nur dem Eigennutz dient und seine Mitmenschen über den Tisch zieht. Es gibt auch die Möglichkeit eines gesunden Selbstwertes, der dieses skrupellose Spiel nicht nötig hat. Ob dieser dann auch gesehen und erkannt wird, steht einem Gegenüber dennoch nach wie vor frei.

Muster sind dazu da, um sie sich anzusehen, sie zu studieren, zu verstehen und daraus zu lernen. Solange man diesen Prozeß nicht absolviert hat, wird man den Mustern weiter folgen.

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