Liebesbindung oder Lösungsweg

„Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben! … lalala …“

Wenn diese Schlager-Parole wie auf vielen Parties aus dem Lautsprecher dröhnt, singst Du dann voller Inbrunst begeistert mit? Wiegst Du Dich dann euphorisch und stimmig in den laut gröhlenden Massen? Oder wie wirkt das auf Dich und wie berührt es Dich?

Falls Du diesen Text mitsingst, weißt Du dann auch, was Du damit aussagst? Und glaubst Du auch daran? Nein? Warum singst Du ihn dann? Oder ja? Ist das Dein Ernst? Hast Du mal darüber nachgedacht?

Dir ist also schon klar, daß es hier natürlich nur um den Spaß geht und keineswegs um einen Sinn oder gar um Wahrheiten? Warum dann aber dieses paradoxe Verhalten?

Wie sehr glauben wir tatsächlich an so einen Text, wenn Massen von Menschen sich davon begeistert mitreißen lassen? Bringt eine neue Liebe tatsächlich so etwas wie ein neues Leben? Bringt sie die Lösung von einem alten Leben mit alten Leiden, Nöten und Problemen? Ist das Realität oder eigentlich nur „Volksverdummung“?

 

„Eine neue Liebe“: Das temporäre Glück der scheinbaren Lösung

Wie viele Menschen sehen es als höchsten Lebenssinn an, einen Lebenspartner an der Seite zu haben? Wie viele stürzen sich nach Ende einer Beziehung möglichst schnell wieder in die nächste, um nicht allein sein zu müssen? Ein paar statistische Daten dazu stehen im Blog „Ohne Partner – Ich bin anders, na und?“ Bedeutet aber eine Beziehung, daß es sich dabei um Liebe handelt? Was verstehen wir überhaupt darunter? Mehr dazu steht auf dieser Webseite unter „Neue Erkenntnisse –> Verhalten“ im Artikel „Liebe – Paradoxon, Kontroverse und Irrtümer“.

Aus eigener Erfahrung berichte ich hier über die Wirkung von Liebe auf die Veränderung des eigenen Wesenszustands. Nachdem ich mein ganzes geschlechtsreifes Leben lang mit Ausnahme von ein paar kurzen aber glücklosen Beziehungen vorwiegend allein und vergeblich auf der Suche nach Liebe war, ereignete sie sich plötzlich und unerwartet. Ich hatte mir mein Leben zuvor allmählich ganz ordentlich eingerichtet und konnte inzwischen recht zufrieden sein. Wer genauer hinschaute, konnte vielleicht eine Art „angezogener Handbremse“ bei mir feststellen.

Die Liebe krempelte dann jedoch alles gewaltig um. Wie in dem Film „Zeit des Erwachens“ mit Robert de Niro begann ich innerlich aufzublühen und meine Lebensgeister erwachten tatsächlich. Meine bis dahin vor sich hin siechende Lebensfreude sprudelte plötzlich aus mir heraus. Ein bis dato für äußerst wichtig gehaltenes Hobby legte ich leichten Herzens beiseite. Ich war tatsächlich verwandelt und die Handbremse war gelöst. Dieser Zustand erlosch jählings wieder, als meine Liebespartnerin neun Monate später starb. Ab da verfiel ich wieder in den vorhergegangenen „Schlafzustand“, der sich auch als eine Art Koma meiner Lebensfreude bezeichnen läßt.

Die Liebe hatte wie ein Heilmittel, ein Medikament oder eine Droge gewirkt, unter dessen Einfluß ich kurzzeitig erwacht war. Ohne sie fiel ich ins Koma zurück. Folglich war ich also abhängig von der Liebe. Das Problem schien dann wohl, wieder an den Stoff meiner Sucht zu kommen. Es war aber leider völlig klar, daß man Liebe nicht kaufen, nicht beschaffen und nicht erzwingen konnte. Mein Lebensglück und mein Erwachen von einer anderen Person abhängig zu machen, erschien also widersinnig, denn damit war ich schließlich auch von ihrer Präsenz, Zeit, Aufmerksamkeit und ihrem Wohlwollen abhängig. Das konnte kein nachhaltiges Lösungskonzept sein!

 

Zurückweisung: Der heilsame Schlag vor den Kopf

Genau das Gegenteil der erwiderten Liebe während meiner kurzen „Zeit des Erwachens“ erlebte ich wiederum etwas später, wie auch schon früher so oft. Meine bei einer Begegnung neu erwachten Liebesgefühle wurden abgelehnt und ich damit zurückgewiesen. Wie ein Hammer schlug das auf meine spärliche Selbstachtung, Würde und Lebensfreude. Erst die eine Liebe verloren und dann die neue Liebe abgewiesen fühlte ich mich als Häufchen Elend.

Der Schlag war wie eine Watschn (Ohrfeige), die mich aus meinem Koma aufwecken sollte. Ich sollte dadurch etwas kapieren. Ich sollte den Einschlag ernst nehmen, akzeptieren, daraus lernen und verstehen. Was war die Lektion? Eine alte Wunde war getroffen und offen gelegt worden. Diese Wunde war die Abhängigkeit von der Liebe in einer Liebesbindung. Wie ein Süchtiger gab ich dafür alles hin, selbst meine Selbstachtung und Würde. Das wurde mir jetzt um die Ohren gehauen.

Die Botschaft der Ablehnung war, daß es jetzt um mich ging, um mich allein und meinen Weg. Es ging darum, was ich selbst gestalten kann und worauf ich keinen Einfluß habe. Mir wurde klargemacht, daß ich keinen Einfluß auf andere Menschen und schon gar nicht auf deren Liebe habe. Darauf zu spekulieren und zu hoffen, konnte nur mein Scheitern hervorbringen.

 

Initiationsweg zum Selbst: Der innere Wesenskern

Eine neue Liebe war also nicht die Lösung, auch nicht ein neues Leben. Es war vielmehr die alte Leier des alten Lebens und der Abhängigkeit. Die Lösung war das, was ich selbst in der Hand hatte und gestalten konnte. Und der Weg zu dieser Lösung war der zu mir selbst, der Weg meiner Selbstfindung und Selbstwerdung. Für mich als Mann ist das der Initiationsweg zum Mann-Sein, wenn man so sagen will. Für eine Frau ist es der zum Frau-Sein, nicht der zum Mutter-Sein, denn Mutter ist letztlich „nur“ eine Funktion und nicht der weibliche Seinszustand an sich.

Durch die Selbstfindung der Initiation werden schließlich auch blockierte Energien befreit, die durch Traumata fixiert waren. Solche Blockaden sind oft typenspezifisch, zum Beispiel:

  • Ein Herz- und Erkenntnis-Typ ist oft in der Lust, Macht, Tat und Lebensfreude blockiert.
  • Ein Macht- und Lust-Typ ist oft in der Erkenntnis, Liebe, im Selbst-Sein und in der Selbst-Entwicklung blockiert.

Für beide Geschlechter geht es also darum, dem eigenen Typ gemäß zu sich selbst zu finden und die Möglichkeiten des eigenen Seins über das bisher Gewohnte hinaus zu erweitern. Zu den Typen findest Du mehr auf dieser Webseite unter „Neue Erkenntnisse -> Typenmodelle“.

Die Selbstfindung ist kein Weg in eine Abhängigkeit, der wäre nur ein Irrweg. Es ist ein Weg in die Freiheit und zur Selbstverantwortung, indem man sein Schicksal nicht mehr in die Hände anderer legt, weder eines geliebten Menschen noch des gesamten gesellschaftlichen Umfeldes. Dazu ist es nötig, sich von den Urteilen von anderen und über andere Menschen zu lösen und zu befreien. Die Schritte zur Lösung und Selbstbefreiung bedeuten also ein Ablassen von Schuldzuweisungen und Bewertungen, durch die man nur wieder Abhängigkeiten schaffen würde.

Mit diesen Schritten wechseln wir die Seiten von der Fremdbestimmung weg hin zur Selbstverantwortung. Das bedeutet, vom Hoffen auf Wunder von außen abzulassen und das Wunder des eigenen Wertes als verkörperte Seele selbst zu erkennen. Es bedeutet, von Täuschungen und Illusionen abzulassen und die Realität dieses Daseins der Mischform von Körper und Seele anzuerkennen. Die Selbstflucht vor dieser Realität hat dann ein Ende und wir können so schließlich „ganz“ werden.

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