Spiegelung – Bindung und Täuschung

„Die Männer / die Frauen sind doch alle gleich!“

Wie oft hört man nicht diesen Spruch. Hast Du ihn selbst auch schön gelegentlich benutzt oder abbekommen? Aber mal ehrlich: Ist das denn realistisch oder eher eine Täuschung? „Das ist doch nicht so gemeint“, hört man dann ausweichend. Dennoch wird in vielen erregten Damenkränzchen mit diesem Urteil über „die Männer“ eifrig auf ihnen herumgehackt. Nicht so gemeint? Umgekehrt werden auch Frauen oft auf ihre Rolle als funktionierende Haus- und Sex-Sklavinnen reduziert. Kommen Dir diese Rollen oder Bilder davon etwa auch bekannt vor?

Aber mal anders gefragt: Muß ein möglicher Partner Deinem Idealbild eines Mannes / einer Frau möglichst nahe kommen und Dein „Typ“ sein? Gibt es da vielleicht einen Zusammenhang? Das ist eine spannende Frage, mit der es hier weitergeht.

Möglicherweise hast Du bestimmte Selektionskriterien, die jemand erfüllen muß, damit Du ihn / sie überhaupt näher an Dich heranläßt? Wenn das so oder ähnlich ist, reduziert das dann aber nicht automatisch auch Deine Offenheit, Aufmerksamkeit und folglich auch Deine Erfahrungen auf eben diesen Typ? Wunderst Du Dich dann noch über den obigen Spruch?

Wahl von Spiegeln und Filtern der Wahrnehmung

Offenbar haben wir es hier mit festen Vorstellungen zu tun, wie ein Mann und eine Frau zu sein haben. Solche Vorstellungen sind aus unseren Erfahrungen entstanden, die uns von unserem Leben mit unserem Umfeld wiedergespiegelt wurden. Die dabei erhaltenen Eindrücke haben sich tief in uns eingeprägt. Wenn unsere Vorstellungen so einseitig sind, dann liegt das an einseitigen Erfahrungen bzw. an einseitigen Spiegelungen.

Es ist geradezu so, wie wenn wir tagtäglich mit einer rosaroten Brille auf der Nase herumlaufen würden. Wir würden dann bald glauben, daß die ganze Welt nur aus rosa Farbtönen bestünde. Ebenso ist es, wenn wir nur rote Spiegel um uns herum sammeln oder uns nur mit solchen beschäftigen und uns in solchen betrachten. Dann werden wir zwangsläufig meinen, alles mit roten Maßstäben bewerten zu müssen.

Wenn wir es aufgrund unserer eingeschränkten Erfahrungen nicht besser wissen und daran auch nichts ändern wollen, dann bleiben wir meist in unseren festgefahrenen Vorstellungen verhaftet. Wir tragen dann ein Ideal- oder Selektionsbild in uns, mit dem wir uns abschirmen und das andere Möglichkeiten von Erfahrungen als die uns bereits bekannten ausgrenzt. Wir sind dadurch an bestimmte Wahrnehmungen durch entsprechende Spiegel der von uns ausgewählten Nächsten gebunden.

Kennst Du das vielleicht von dir selbst? Falls ja, hast Du Dich mal gefragt, wodurch so ein Ideal- oder Selektionsbild vielleicht geprägt worden ist? In welchem Licht oder Kontext siehst Du Dich dadurch selbst? Woran fühlst Du Dich gebunden? Hast Du eine Ahnung, was Du vielleicht erleben und erfahren könntest, wenn Du Dich bei Deinen Begegnungen von Deinen Selektionsfiltern befreien würdest?

 

Der passende Spiegel im passenden Partner

Portale zur Suche eines für einen geeigneten Partners erfreuen sich seit geraumer Zeit wachsender Beliebtheit. Dadurch kann man sich möglicherweise viele Wirren und Unannehmlichkeiten von partnerschaftlichen Spiegelungen ersparen. Man sucht sich einfach den passenden Spiegel, der einem nur das zeigt, was man selbst gerne an sich sehen möchte. Ist das nicht perfekt?

Ganz anders erging es dagegen mir mit einer Frauenbegegung im normalen Leben, die mich unplanmäßig und unverhofft zu einer äußerst schmerzhaften und für mich „verhängnisvollen“ Spiegelung meinerselbst führte. Die von mir begehrte Frau gab mir nämlich Rückmeldungen, die ich eigentlich gar nicht wahrnehmen oder wahrhaben wollte. Meine Erfahrungen aus dieser Begegnung habe ich im Blog „Kennenlernen – Ich im Spiegel des Du“ beschrieben.

Bemerkenswert daran war, daß dieser Frau genau jene Eigenschaften an mir ins Auge stachen und damit ihren Eindruck von mir prägten, die bei mir verletzt, verschüttet und blockiert waren. Das war nämlich ihr Idealbild von Männlichkeit mit Spaß, Leichtigkeit und impulsiver Lebendigkeit, also ihre Vorstellung, wie ein Mann zu sein habe bzw. was ihr bevorzugter Typ ist.

All dem entsprach ich nicht, so daß ich bei dieser Spiegelung genau das erntete, was meine größte Schwachstelle war. Ich war dadurch schmerzhaft getroffen und „entmannt“ worden. Man kann sagen, es war ein Volltreffer, eine Punktlandung. Besser hätte man es gar nicht planen können. Das war aber auch nicht das erste Mal, daß ich genau diese Rückmeldung erhielt.

Warum die Frau aber gerade diese Schwachstellen von mir wiederspiegelte, lag zweifelsohne daran, daß diee benannten Eigenschaften eine bevorzugte Wertigkeit bei ihr besitzen. Ihre ganze Einstellung und Wahrnehmung ist durch entsprechende Prägungen bestimmt. Erst nachdem ihre Spiegelung bei mir angekommen war und ihren Eindruck bei mir hinterlassen hatte, wurde mir das alles klar. War das nun ein passender Spiegel oder nicht?

 

Die Täuschung im Spiegel: Illusion

War ich vielleicht einfach nur wieder auf denselben Typ Frau hereingefallen, wie schon so oft in meinem Leben? Vermutlich muß ich das sogar bejahen. Ein bestimmtes Muster schien hier am Werke zu sein, das mich erneut in eine für mich heftige Begegnung geführt hatte. Diese hatte meine tiefsten Verletzungen und Wunden zu Tage gefördert.

Worauf war ich möglicherweise erneut hereingefallen? Es war genau das, wonach ich mich sehnte und was bei mir selbst blockiert war: Lachen, Vitalität, pure Lebensfreude, mannhafte Stärke und Überlegenheit. Genau darin war die besagte Frau stark, das war ihre Domäne und das strahlte sie aus. Als Spiegelung meinerselbst zeigte sie mir folgerichtig meine Defizite in den von ihr favorisierten und ausgeprägten Seiten.

Was aber war meine Täuschung? Ich hoffte, daß sich ihr Lachen auf mich beziehen und sie ihre Vitalität und Lebensfreude vielleicht mit mir teilen würde. Tatsächlich kann ich wohl schwer unterscheiden zwischen einem Lächeln, das wirklich mir gilt, und einem der Eigenliebe, das jemand zeigt, der sich an sich selbst und der Befriedigung seiner Bedürfnisse erfreut. Viele Männer bekommen ja auch leuchtende Augen und strahlen zufrieden, wenn sie sich einen luxuriösen Sportwagen anschauen, insbesondere wenn er ihnen gehört, wenn er sie aufwertet und sie mit ihm machen können, was sie wollen. Mit einem mitfühlenden Herzen und einer mitteilenden Zuwendung hat das freilich wenig zu tun. Darauf aber zu hoffen, war genau meine Täuschung oder auch Illusion.

Die Ursachen meiner Täuschung und Illusion indes liegen in tieferen, normalerweise unbewußten Schichten. Es handelte sich dabei um ganz irdische Bedürfnisse, die existentiell begründet und entsprechend drängend sind. Dabei geht es um Anerkennung und soziale Verbundenheit sowie um Sexualität, die alle miteinander notwendige Grundbedürfnisse unseres Lebens sind. Diese werden angesichts eines sexuell attraktiven Menschen natürlicherweise automatisch geweckt. Da die Frau in meiner Begegnung diese Ausstrahlung für mich besaß, reagierte ich entsprechend und war ihrer blendenden Strahlkraft folglich mehr oder weniger ausgeliefert.

Was sollte dann aber diese Begegnung mit der schmerzhaften Spiegelung für mich? Ganz einfach: Enttäuschung und Desillusionierung. Ich sollte der Realität endlich ins Auge sehen und mir klar ins Bewußtsein bringen, was hinter diesem Typ Frau steckt und warum er mich so oft innerlich intensiv berührte. Es ging um einen Lernprozeß, um Erkenntnis und um Befreiung meiner inneren Bindung an dieses Gegenüber. Nur das konnte die Täuschung letztlich auflösen. Täuschungen müssen also so lange betrachtet werden, bis sie durch eigene Enttäuschungen aufgelöst werden.

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