Spiegelung – Reflexion oder Blendung

„Werde ich manipuliert oder manipuliere ich selbst?“

„Warum sollte ich mich mit einer Person beschäftigen, die mir unbequeme, komplizierte und unangenehme Rückmeldungen und Antworten gibt? Unter der reichen Auswahl an mir zur Verfügung stehenden Bewerbern suche ich lieber diejenigen aus, die mich aufbauen, bestätigen und mir einfach nur Spaß und Vergnügen bereiten.“ – Ist das vielleicht Dein Lebensmotto?

Wenn wir uns mit Freunden beschäftigen, uns auf jemand einlassen oder auch Partner suchen, was ist uns dabei besonders wichtig? Geht es darum, möglichst viel Spaß zu haben? Oder geht es darum, sich selbst zu bestätigen und sich aufzuwerten? Wie ist es bei Dir? Oder kennst Du andere, auf die das zutrifft? Das warum, das wie und die Folgen davon erfährst Du hier.

Suchst Du Dir Dein Umfeld danach, Dich darin selbst glänzen zu lassen? Ist es für Dich wichtig, bei anderen oder Dir selbst gegenüber einen „blendenden Eindruck“ zu machen? Was hast Du davon, was bringt es Dir, welchen Nutzen hast Du dadurch? Und wie bewußt ist Dir das eigentlich?

 

Manipulation des Spiegels durch Täuschen und Blenden

Täuschung ist ein Mittel zur Manipulation der Wahrnehmung, das sich die Natur zunutze macht. Für sie gibt es dabei keine Moral, sondern nur den Nutzen für das höchste Ziel der Natur. Dieses Ziel ist die Erhaltung von einem selbst und der eigenen Art. Tiere etwa tarnen sich oder täuschen etwas vor, was sie in Wirklichkeit gar nicht sind. Beim Balz-Gebaren machen sie sich größer und prächtiger, um damit dem Partner zu imponieren.

Analog zur Tierwelt spielen beim gegenseitigen Austausch menschlicher Artgenossen Körpersprache und Mimik eine wesentliche Rolle. Über sie kommunizieren wir direkt und unbewußt emotional miteinander, was natürlicherweise eine starke und wenig kontrollierbare Wirkung auf uns hat. Mit diesen Signalen aber spiegeln wir uns ständig gegenseitig. Wer sie beherrscht, verfügt folglich über die Fähigkeit zur Täuschung, indem er den Austausch von Informationen durch seinen eigenen Spiegel manipuliert.

Viele Menschen zeigen eine blendende Ausstrahlung und ein hinreißendes Strahlen und Lächeln, wenn sie sich selbst einfach toll finden und anderen gegenüber etwa überlegen fühlen. Wenn sie mit anderen vermeintlich machen können, was sie wollen, baut sie das auf, denn so spüren sie ihre Eigenmächtigkeit. Sie scheinen dann andere nach Be-Lieben bzw. be-liebig gebrauchen und von sich abhängig machen zu können, und das nutzen sie auch gerne aus. Das Be-Lieben wird vom Gegenüber oft als Lieben mißinterpretiert, so geschickt kann die Täuschung sein.

Manche sind sich der manipulativen Wirkung ihrer Ausstrahlung mehr, manche aber auch weniger bewußt. Manipulatoren, Blender und Täuscher aber wissen mit ihren Mitmenschen umzuspringen, sie willig und sich gefällig zu machen und sie an sich zu binden. Das funktioniert deswegen so gut, weil sie sich eben selbst für so begehrenswert halten, daß sie anderen quasi aufdrängen, um ihre Gunst und Zuwendung betteln zu sollen.

 

Die Methode der Manipulation: Überlegenheit und Abwertung

Manipulation ist genau genommen ein Eingriff der persönlichen Willkür in die freie Wechselwirkung einer neutralen Spiegelung. Wie dies genau funktioniert, beschreibe ich anhand eines anschaulichen Bildes in dem Blog „Reflexion durch andere Menschen“. Die Manipulation soll einem meist selbst nützen und verfolgt daher das Ziel, den Anderen in eine Position der Abhängigkeit von sich zu zwingen. Die geeignetste Methode dazu ist die von „Zuckerbrot und Peitsche“. So wie man ein Tier dressiert, so funktioniert das auch bei den Menschen. Durch Belohnung und Bestrafung zeigt man ihm, wer der Herr bzw. die Herrin ist.

Der Trick bei dieser Methode ist der, sich zum souveränen Richter über den Anderen zu machen, der Werturteile über ihn fällen und ihn bestimmen darf. Um diese Hierarchie zu festigen, wird der Andere am besten abgewertet und klein gemacht. So kann sich die Herrschaft selbst als überlegen und höherwertig fühlen und auf den Anderen herabblicken. Ich bin selbst oft genug auf die verführerische Ausstrahlung von überaus selbstbewußten oder vielmehr selbstgerechten Personen hereingefallen und habe mich dabei erniedrigen und benutzen lassen. Ich weiß also, wovon ich spreche.

Letztlich ist es dann eine Frage der Macht, wer wen besser manipulieren und kontrollieren kann und ihn somit im Griff hat. Wer sich beim spiegelnden Austausch gerne als überlegen sehen möchte, der umgibt sich einfach mit schwächeren Spielpartnern. Es gibt dafür meist genügend Ärmere, Bedürftige, Suchende, Leidende und gebrochene Persönlichkeiten.

Noch klarer und sicherer wird diese Hierarchie gegenüber abhängigen Kreaturen wie eigenen kleinen Kindern und Haustieren. Damit will ich nicht sagen, daß die Befriedigung der eigenen Überlegenheit die einzige Motivation zur Anschaffung eines solchen persönlichen Umfeldes sein muß. Manipulation bedeutet dabei eben lediglich, den Austausch mit seinem Gegenüber in der eigenen Hand zu haben und somit kontrollieren zu können, wie das Fremdwort besagt (lateinisch aus „manus“ = „die Hand“ und „plere“ = „füllen, haben“). Das meine ich also völlig wertfrei.

 

Der Effekt des manipulierten Spiegels: Abhängigkeit

Oft werden manipuliert strahlende Menschen in ihrem Selbstbild auch noch bestätigt, indem sie tatsächlich eine Menge an unterwürfigen Fans um sich scharen, die sie anhimmeln und bewundern. Die bewunderten und begehrten Menschen sind dann gut drauf, haben Spaß und ahlen sich in ihrem Vergnügen an ihren Mitmenschen. Manche brauchen das vielleicht auch, um irgendein eigenes Defizit zu kompensieren. Wenn ihnen von ihren Anhängern Anerkennung, Mitgefühl und Liebe entgegengebracht werden, erwidern sie diese oft mit Be-liebigkeit, die schließlich eine ihrer hervorstechenden Eigenarten ist. Die Manipulation der Spiegelung zieht den Anhänger in die Abhängigkeit und diese erhält den Zustand der Manipulation wiederum aufrecht.

In diesem Fall ist aber auch etwas Merkwürdiges mit dem Spiegel im Menschen selbst passiert. Er reflektiert nämlich gar nicht mehr auf die Signale seines Gegenübers, sondern strahlt praktisch nur noch seine Eigenheit aus. Alles dreht sich nur noch um ihn selbst, so daß er sich auch nur noch selbst zu reflektieren scheint. Er erzeugt also eine Eigenresonanz, die das Selbstbild übertrieben aufbläht. So ein Spiegel ist von innen heraus manipuliert und als Instrument der gegenseitigen Spiegelung damit eigentlich gestört.

Den Zustand dieser Manipulation beschreibt das Wort Egozentrik sehr treffend. Diese sucht alles zu dirigieren, auf sich zu beziehen, zum eigenen Besitz und damit von sich abhängig zu machen. Siehe dazu auch den Blog „Spiegelung – Bindung und Täuschung“. Natürlich bleibt aber auch ein solch manipulierter Spiegel letztlich ein Spiegel, der uns dann ein entsprechendes Bild zeigt.

Wie das Bild eines manipulierten Spiegels dann auf uns wirkt und welche Bedeutung wir ihm beimessen, hängt ganz von uns selbst ab. Ob jemand mit seiner Manipulation Erfolg hat, hängt also davon ab, ob er Menschen oder Kreaturen findet, die sich von ihm beeindrucken und manipulieren lassen. Der erste Schritt, sich von Manipulationen zu befreien, ist diese zu durchschauen. Du kannst damit sofort bei Dir selbst und Deinen Nächsten beginnen, probier es einfach aus.

 

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