Warum falle ich immer wieder auf dasselbe herein?

Deja vu? – Wenn es dir so vorkommt, als hättest Du etwas schon einmal oder mehrfach erlebt, woher kommt das?

Du kennst vielleicht Geschichten von Leuten, die in ihren Beziehungen mehrmals hintereinander an ähnliche Typen geraten sind, an Alkoholiker, Spieler, Gewalttätige, Betrüger und so weiter. Auch wenn es sich nicht um so extrem ausgeprägte Verhaltensmuster handelt, haben wir oft bestimmte Präferenzen von Typen, die wir in unserem Leben anziehen bzw. anziehend finden und uns daher auf sie einlassen.

Wie geht es Dir damit? Tauchen bei Dir auch bestimmte Lebenskonstellationen immer wieder in ähnlicher Form auf? Bist Du auch auf einen bestimmten Partner-Typus festgelegt, auf den Du anspringst? Hast Du auch immer wieder dieselben Fehler begangen? Bist Du immer wieder ähnlich von anderen behandelt und vielleicht ausgenutzt worden? Und hast Du Menschen und Situationen, die Dir begegneten, oft ähnlich wahrgenommen und beurteilt?

Muster des eigenen Lebens erkennen

Tatsächlich geht es vielen oder vielleicht sogar den meisten Menschen so. Jeder hat dabei seine ganz eigene Story mit den eigenen typischen Merkmalen. Welche ist Deine? Und welches sind die typischen Merkmale bei Dir?

Vielleicht hast Du einen bestimmten Frauen-Typ bzw. Männer-Typ und mit diesem immer wieder ähnliche Dinge erlebt. Auch mich fesselte immer wieder ein bestimmter Typus von Frau, der meine Aufmerksamkeit und mein Begehren erregte, obwohl ich schon mehrfach von ihm bitter enttäuscht wurde. Manche wie ich geraten eben immer wieder an denselben Typ Mann oder Frau, als würde eine geheimnisvolle Gesetzmäßigkeit dafür sorgen.

Ein anderes Phänomen sind gleiche Situationen, in die man immer wieder hineinstolpert. Ich z.B. habe schon mehrfach die Führung von Gemeinschaftsprojekten übernommen und wurde dann von meinen Partnern im Stich gelassen, die nicht richtig mitziehen wollten. Andere sind immer wieder in Arbeitsverhältnisse geraten, in denen sie unverhältnismäßig unter Druck gesetzt und ausgepreßt wurden. Manche lassen sich von Schmeicheleien, Versprechungen und blendenden Fassaden täuschen und werden dann betrogen und über den Tisch gezogen. Manche werden immer wieder von anderen systematisch ausgespielt, ignoriert oder klein gemacht.

Wo sich solche Wiederholungen im Leben abspielen, liegt ein bestimmtes Muster vor. Bei einigen von uns sind diese Muster stärker ausgeprägt und offensichtlicher, bei anderen schwächer oder subtiler. Vielen mögen diese Muster nicht bewußt auffallen. Sie leben einfach vor sich hin und halten es für völlig normal und nicht bemerkenswert, wenn sich bestimmte Dinge immer wieder wiederholen. Sie haben sogar oft Erklärungen dafür, warum das so sein muß, wie z.B. die Überzeugung, daß „alle Männer gleich seien“. Die Kunst ist es, die Muster auch als ein Muster von vielen möglichen zu erkennen und danach die wahren Gründe dafür herauszufinden.

Gründe für Muster im eigenen Leben

Ein Lebensmuster ist einfach wie eine Prägung, durch die sich ein bestimmter Eindruck in unserer Biografie vertieft. Solche Eindrücke und Prägungen wirken sich energetisch so auf unser Leben aus, daß sie dessen weiteren Verlauf beeinflussen und mitbestimmen, indem sich bestimmte Stereotypen immer mehr verfestigen. Daher wiederholen sich die Muster auch immer wieder, solange wir nichts an unserer eigenen Prägung ändern. Die Entstehung eines Musters hat gewöhnlich einen Anfang und eine Ursache.

Es ist also so, als würde man selbst bestimmte Konstellationen und Umstände anziehen. Manche haben den Eindruck, daß genau bei ihnen die Ampeln immer kurz vor Erreichen der Kreuzung auf rot schalten. Maßgeblich ist für sie nicht, ob dieses Schicksal sie tatsächlich mit klarer Signifikanz bevorzugt trifft, sondern daß sie selbst dieses Geschehen einfach so empfinden und bewerten. Die so entstandene Einstellung will keiner der Betroffenen ernsthaft auf seinen Wahrheitsgehalt hin prüfen. Es ziehen es vor, sich in ihrer Einstellung selbst zu fixieren und zu bestätigen, anstatt sich davon zu befreien, auch wenn sie sich nachweislich in einem gewaltigen Irrtum befinden.

Die Psychologie hat für diesen Effekt den Begriff der „sich selbst erfüllenden Prophezeihung“ gefunden. Das bedeutet, daß unsere Einstellung (z.B. daß vor mir alle Ampeln auf rot schalten) die eintretenden Ereignisse oder zumindest unsere Wahrnehmung davon sich selbst gemäß beeinflußt. Es werden also die Ereignisse stärker wahrgenommen, die unserer festgefahrenen Einstellung entsprechen. In zwischenmenschlichen Beziehungen suchen wir sogar diejenigen Gegenspieler, die in das Muster unserer Einstellungen passen und bestätigen uns damit selbst.

Alte Fahrwasser und Auswege

Ein bekanntes Modell der Psychologie für solche Beziehungs-Muster zwischen Menschen ist das sogenannte Drama-Dreieck. Es besteht aus den Rollen Opfer, Täter und Helfer. Ergänzt wurde es später um zwei weitere Rollen des Zuschauers und des Märtyrers. Der selbstbestätigende Effekt des eigenen Musters führt dazu, daß wir in unseren Beziehungen ein bestimmtes Rollenspiel mit festgelegten Rollen immer wieder wiederholen. Dabei ist man selbst beispielsweise stets das Opfer, die anderen entweder Täter oder Helfer.

Die Selbstbestätigung der eigenen festgefahrenen Einstellung hält uns also in unserem eigenen schicksalhaften Verlauf des Lebens fest. Solange wir glauben, daß das nicht an uns selbst liegt sondern an höheren Mächten, unserer Umgebung und unseren Mitmenschen, bleibt die Selbstbestätigung erhalten. Auch wenn wir glauben, wir seien an unserem Schicksal selbst schuld und könnten nichts daran ändern, sondern müßten auf die Erlösung oder Vergebung durch eine höhere Macht oder Gott warten, dann halten wir unwillkürlich an unserer Einstellung fest, die unser Leben bestimmt.

Auswege aus diesen alten Fahrwassern finden wir, wenn wir

  • aufhören, uns selbst zu bestätigen
  • aufhören, Recht haben zu wollen
  • aufhören, andere oder auch sich selbst zu verurteilen
  • beginnen, selbst Verantwortung für uns und unsere Begegnungen zu übernehmen
  • beginnen, uns selbst gleich wichtig zu nehmen wie unsere Mitmenschen / Umwelt
  • beginnen, uns für Veränderungen zu öffnen, insbesondere die der eigenen Einstellung

Wer sich wirklich aus seinen eingefahrenen, zwanghaften Mustern und leidvollen, alten Fahrwassern befreien will, könnte diese Methoden der Auswege ja mal probieren. Vermutlich wird er damit mehr Erfolg haben, als ewig auf Hilfe und Rettung von außen durch andere zu hoffen.

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